Vom Pädagogen zum Hobbytherapeuten?
Sandwesten an Schulen

„Die Berichterstattung, dass in Hamburgs Grundschulen Sandwesten zum Einsatz kommen, die Kinder beruhigen sollen, habe ich mit Fassungslosigkeit zur Kenntnis genommen“, beschreibt Mike Finke, Vorsitzender des Landeselternrates Niedersachsen, seine erste Reaktion auf diese Maßnahme. Nach seinen Informationen gibt es keine Studien hinsichtlich einer therapeutischen Wirksamkeit in Bezug auf eine verbesserte kognitive Leistungsfähigkeit.

Sandwesten mit einem Gewicht von bis zu 5 kg zum Einsatz zu bringen, hält Finke für mehr als fragwürdig. So sind in keinster Weise gesundheitliche Auswirkungen auf die Schülerinnen und Schüler absehbar, die sich im Wachstum befinden. „In der Vergangenheit bestand vielmehr Konsens“, so Finke, „dass allein schon ein Schulranzen ein zu großes Gewicht habe. Nicht ohne Grund sei man dazu übergegangen, dass Kinder sich Bücher teilen können oder auch Doppelstundenmodelle einzuführen, um das Gewicht der Materialien zu reduzieren.“

Diese Form der Ruhigstellung widerspricht ebenso bisherigen Bestrebungen, den natürlichen Bewegungsdrang von Kindern positiv zu unterstützen, so z. B. mit aktivem Mobiliar oder mit einer weiteren Sportstunde an Grundschulen. „Lernen braucht Bewegung“, resümiert Finke; „die in dem Bericht beschriebene Reaktion der Kinder selbst ist einzig dem zuzuschreiben, dass Kinder in diesem Stadium nur erst einmal wahrnehmen, etwas Besonderes zu sein. Die Bestätigung eines medizinischen oder therapeutischen Wirkens, wie im Artikel beschrieben, dürfte mehr als fragwürdig sein.“

Dass eine derartige Maßnahme ohne weiteres zum Einsatz gebracht werden dürfe, hält Finke im Übrigen weitergehend mit Blick auf das Recht körperlicher Unversehrtheit ebenfalls für fragwürdig, dies in Ermangelung fachlicher bzw. medizinischer bzw. therapeutischer Begleitung.

08.12.2017

 


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