Änderung des Niedersächsischen Schulgesetzes

Pressemitteilung vom 04.06.2015

Gerechte Bildungschancen für alle Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen zu schaffen - dies ist die langjährige Forderung des Landeselternrates. Die im Landtag verabschiedete Schulgesetznovelle kommt nun dieser Forderung entgegen.

Denn, gleich gute Bedingungen für alle Schulformen sind ein Garant zur Umsetzung dieses Ziels. So können Gesamtschulen künftig andere Schulformen ersetzen, Gymnasien aber wird gleichermaßen ein Sonderstatus zugestanden, denn der Besuch eines Gymnasiums unter zumutbaren Bedingungen muss gewährleistet bleiben.

Der Landeselternrat unterstützt die Abschaffung der Schullaufbahnempfehlung und den damit verbundenen Wegfall der Abschulung. Die im 4. Schuljahrgang verbindlich zu führenden und der Beratung dienenden Gespräche zur individuellen Lernentwicklung sollten von Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrern allerdings gleichermaßen ernst genommen werden.

Die Möglichkeit des jahrgangsübergreifenden Unterrichts nicht nur in der Eingangsstufe einer Grundschule, sondern auch in den Jahrgängen 3 und 4 sieht der Landeselternrat aus pädagogischen Gründen positiv. Dieses darf aber nicht dazu führen, dass diese Regelung benutzt wird, um bei Kleinstschulen eine mögliche Schließung zu umgehen. Der Landeselternrat weist daher erneut auf die unerlässliche, noch ausstehende Regelung zur pädagogisch sinnvollen Größe von Schulen mit Blick auf jede Schulform hin.

Der Landeselternrat begrüßt ausdrücklich, dass dem Ausbau und der Weiterentwicklung der Ganztagsschule eine hohe Priorität gleichermaßen für alle Schulformen eingeräumt wird und diese auch im Schulgesetz zur Geltung kommt.

Während der Diskussion zur Frage G8 oder G9 hatte der Landeselternrat gefordert, vielfältige Möglichkeiten zur Etablierung einer individuellen Lernzeit zu entwickeln, etwa durch die Schaffung von modularen Regelungen in der Oberstufe. Das Initiieren derartiger Module würde es aus Sicht des Landeselternrates Niedersachsen ermöglichen, dass das System Schule individuellen Lernzeiten gerechter wird und folglich den Befähigungen aller Schülerinnen und Schüler entsprechen kann. Der Landeselternrat bedauert daher, dass eine mögliche Individualisierung von Lernzeiten in der Entscheidung hin zu G9 keine Rolle gespielt hat. Innovative Konzepte und Module, die ein Absolvieren der Qualifikationsphase in 2 oder 3 Jahren ermöglichen, wären beispielhaft und auch bundesweit umsetzbar.

Bei der Umsetzung der Inklusion im Bereich der Schule unterstützt der Landeselternrat den Schritt der Landesregierung, diesem notwendigen Prozess nun doch mehr Zeit als geplant einzuräumen. Insbesondere der hohe Handlungsbedarf bei der Bereitstellung und der systemischen Zuweisung der pädagogischen Ressourcen erfordert eine umsichtige Vorbereitung. Im Hinblick auf die regionalen Bedingungen (Regionalstellen für schulische Inklusion / Bildungsregionen) ist es daher unerlässlich, einen zielgenauen Weg zu finden, der die notwendige Hilfe wirklich beim Kind unabhängig von der gewählten Schulform ankommen lässt!

Garanten gerechter Bildungschancen sieht der Landeselternrat aber auch in seinen wiederholt formulierten Forderungen, wie Finanzierung der Schülerbeförderung in der SEK II, notwendige Konzepte und Ressourcen für Unterstützungssysteme für die Schulen, wie z. B. die Schulsozialarbeit, eine ausreichende Unterrichtsversorgung von mindestens 105 % sowie geringere Klassengrößen in allen Schulformen. Die Umsetzung dieser Forderungen mahnt der Landeselternrat weiterhin an.

Der Landeselternrat wünscht sich abschließend, dass die Weiterentwicklung des niedersächsischen Schulsystems künftig weniger durch ideologisch geführte Diskussionen geprägt wird, sondern eine sachbezogene Auseinandersetzung das Fundament der erforderlichen Beratung bildet.

Der Landeselternrat als gesetzlich legitimierte Elternvertretung vertritt die Eltern von rund 900.000 Schülerinnen und Schülern, er steht Ihnen heute und zukünftig zur Beratung zur Verfügung.

 


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