Abiturstandards sind ein erster Schritt – sind sie auch der große Wurf?

Pressemitteilung vom 24.10.2012

„Einheitliche Standards für das Abitur sind, wie auch die Standards für den mittleren Schulabschluss oder die Primarstufe grundsätzlich sinnvoll, denn die Eltern in Deutschland fordern schließlich seit Jahren die Schaffung von bundesweit gleichen Bedingungen für die Schüler, auch um eine einheitliche Wertigkeit des Abiturs zu erzielen. Ob die vorgelegten Abiturstandards aber der große Wurf sind, als der sie zurzeit verkauft werden, sollte man kritisch hinterfragen“, so die Vorsitzende des Landeselternrates Niedersachsen, Sabine Hohagen. Die am Ende stehende Abiturprüfung in den Fokus zu nehmen, ohne zuvor die Lehrpläne und vor allem die so unterschiedlichen strukturellen Rahmenbedingungen angeglichen zu haben, erscheint wenig sinnvoll. So gibt es immer noch große Unterschiede bereits ab der Grundschule zwischen den Bundesländern, die Anzahl der Stunden Deutsch oder Mathematik, die ein einzelner Schüler bis zum Abitur erhält oder auch die Organisation der gymnasialen Oberstufe unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland erheblich.

Seit 2004 gibt es Bildungsstandards im Primarbereich, auf deren Grundlage die jüngste IQB-Bildungsstudie erfolgte. Nimmt man diese Ergebnisse als Grundlage, stellt sich die Frage, was hier die angeblich für alle geltenden Bildungsstandards gebracht haben. „Wenn Standards vereinbart werden, ändert dies erst einmal nichts an der Unterrichtsqualität oder an dem Wissen, wie gelehrt und gelernt wird. Selbst die KMK sagt, dass diese Standards zunächst von den ‚verschiedenen Akteuren im Bildungssystem aufgegriffen und umgesetzt werden müssen‘, da erscheint schon der Zeitrahmen bis 2017 extrem ambitioniert“, stellt Hohagen fest. Kerncurricula der Oberstufe müssen mit den Abiturstandards abgeglichen und umgesetzt werden, sind aber oft noch nicht einmal in den Schulen richtig angekommen. Der Landeselternrat schließt sich hier dem Landesschülerrat an und hält das Vorhaben von Niedersachsen, zusammen mit fünf anderen Ländern einen gemeinsamen Aufgabenpool auf 2014 vorzuziehen, weiterhin für kritisch.

„Es gibt noch derart viel zu verbessern und anzugleichen zwischen den Bundesländern, dass die gemeinsamen Abiturstandards mit Sicherheit kein großer Wurf, sondern allenfalls ein kleiner erster Schritt sind“, so das Fazit des Landeselternrates.



 


vorstand@ler-nds.de Impressum Druckversion dieser Seite