Forderung des Landeselternrates Niedersachsen zur Abschaffung von konfessionsbezogenen Religionsunterricht an Grundschulen

Das Plenum des 14. Landeselternrates Niedersachsen hat in seiner Sitzung am 07.04.2017 folgenden Beschluss gefasst:

Der Landeselternrat Niedersachsen fordert, dass jedweder konfessionsbezogene Religionsunterricht an Grundschulen abgeschafft wird.

Ersatzweise fordert der Landeselternrat einen gemeinschaftlichen übergreifenden Religionsunterricht an Grundschulen für alle Schülerinnen und Schüler.

Begründung:

Die Beratungen anlässlich des Anhörungsverfahrens zum Entwurf des Kerncurriculums Islamische Religion an Grundschulen zeigten auf, dass es einen verstärkten Bedarf gibt, konfessionsbezogenen Religionsunterricht an Grundschulen insgesamt auf den Prüfstand zu stellen.

Religionsunterricht ist institutionell im Grundgesetz garantiert. Mit diesem Religionsunterricht geht grundsätzlich konfessionsbezogener Religionsunterricht einher, in dem die Glaubenssätze des Bekenntnisses vermittelt werden sollen.

Trotz der Verankerung im Grundgesetz sieht der Landeselternrat einen Widerspruch zu § 3 NSchG, wonach die Schülerinnen und Schüler grundsätzlich ohne Unterschied des Bekenntnisses und der Weltanschauung gemeinsam erzogen und unterrichtet werden. Zielführender wäre es aus Sicht des Landeselternrates, dass insbesondere in dieser frühkindlichen Phase eine Vermittlung unterschiedlicher Religionen erfolgt, aber die Kinder zusammen unterrichtet werden, um so letztlich auch ein besseres Verständnis für ein Miteinander zu erlernen.

Weitergehend bleibt auch der Wandel in der Gesellschaft in der Weise in den Blick zu nehmen, dass der Anteil konfessionsloser Schülerinnen und Schüler gestiegen ist.

Ungleich kann auch nicht in Abrede gestellt werden, dass in Bezug auf Inhalte des Religionsunterrichtes der Staat grundsätzlich auf eine Zusammenarbeit mit den Religionsgemeinschaften angewiesen ist, da es dem Staat nicht zusteht vorzugeben, welche Glaubenslehren richtig sind oder nicht. In Zeiten sich verändernder Gesellschaft kann aber insbesondere Letztgenanntes aktuell nicht ohne jegliche Sorge gesehen werden.

Im Ergebnis der benannten Beratung zum Anhörungsverfahren kristallisierte sich für das Plenum des 14. Landeselternrates Niedersachsen weiterhin heraus, im Kontext zur vorgenannten Forderung weitergehend zu fordern:

Das Fach Werte & Normen ist als verpflichtendes Unterrichtsfach an Grundschulen anzubieten.

Begründung:

Wertvorstellungen und gesellschaftliche Normen unterliegen in Zeiten sich verändernder Gesellschaft ebenfalls einem Wandel. Das Unterrichtsfach Werte & Normen dürfte unbestritten einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Kindern und Jugendliche eine Orientierungshilfe zum Verständnis von Werten einer Gesellschaft und für tolerantes Miteinander zu geben. So wird der Bildungsbeitrag des Unterrichtsfaches Werte & Normen als gewichtig angesehen, um auch den Ansprüchen gerecht zu werden, die der § 2 NSchG formuliert, so festgeschrieben in den gültigen Kerncurricula - das Erfordernis, das Unterrichtsfach Werte & Normen vorzuhalten, wird bislang nur aber nur ab dem Sekundarbereich I gesehen.

Kinder werden heutzutage aber schon sehr viel früher mit subjektiv wahrgenommenen Wertevorstellungen oder Ansprüchen anderer konfrontiert. Daher muss es Ziel sein, Kindern frühzeitig einen Zugang zu Wertvorstellungen und dem Verständnis der Gesellschaft zu ermöglichen. Dieses Ziel lässt sich aus Sicht des Landeselternrates Niedersachsen mit dem Angebot des verbindlichen Unterrichtsfaches Werte & Normen an Grundschulen erreichen.

Der 14. Landeselternrat kann insoweit die bereits vom 12. Landeselternrat formulierte Begründung zur Einführung des Unterrichtsfaches Werte & Normen an Grundschulen (Beschluss vom 27.04.2011) nur bekräftigen:

„Im Bericht des Niedersächsischen Kultusministeriums „Die niedersächsischen allgemein bildenden Schulen in Zahlen, Stand Schuljahr 2010/2011“ wird unter Punkt „6. Religionsunterricht“ sehr deutlich, dass die Zugehörigkeit der Schülerinnen und Schüler sowohl bei der evangelischen als auch bei der römisch-katholischen Religionsgemeinschaft abgenommen hat, während der Anteil der Kinder ohne oder einer anderen Religionszugehörigkeit stetig gestiegen ist. Dementsprechend ist die Teilnahme am evangelischen bzw. katholischen Religionsunterricht in den letzten Jahren gesunken, die Teilnahme am Fach Werte und Normen hingegen ist angestiegen. Seit dem Jahr 2007 nehmen laut dieser Statistik mehr Kinder am Unterricht Werte und Normen teil (2010: 139.942) als am reinen katholischen Religionsunterricht (2010: 102.804).

Die Teilnahme am Unterrichtsfach Religion in der Grundschule ist bislang für konfessionslose oder nicht-christlichen Schülerinnen und Schülern freiwillig. Diese Kinder nehmen ersatzweise zum Teil am Unterricht in fremden Klassen teil, nehmen schuleigene Angebote wie z.B. muttersprachlichen Unterricht (türkisch) wahr oder werden während dieser Zeit lediglich betreut. Derartige Angebote ersetzen keinen geregelten, vollwertigen Unterricht. Aber auch Kinder, die keiner oder einer nicht-christlichen Religionsgemeinschaft angehören, haben ein Recht auf Unterricht.


 


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