Beschluss

Runderlass „Schulinspektionen in Niedersachsen“

Das Plenum des 13. Landeselternrates Niedersachsen hat in der 20. Sitzung am 21.03.2014 folgenden Beschluss gefasst:

Der Landeselternrat Niedersachsen lehnt den Entwurf des Erlasses „Schulinspektionen in Niedersachsen“ ab.

Begründung

Die Schulinspektion war und ist für den Landeselternrat ein wichtiges Instrument, um die qualitätsbasierte Entwicklung der Einzelschule, die den Mittelpunkt für eine individuelle und gute Bildung alle Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen darstellt, in den Blick zu nehmen. Die Schulinspektion hat aus seiner Sicht eine große Akzeptanz erfahren und wurde von allen beteiligten Gruppen durchgängig mehrheitlich positiv beurteilt. Der Landeselternrat hat sich deshalb in der Vergangenheit immer vehement gegen eine Abschaffung der Schulinspektion gewandt und ihre Fortführung gefordert.

Die Entscheidung, die Schulinspektion in Niedersachsen fortzuführen und weiterzuentwickeln, begrüßt der Landeselternrat nachdrücklich. Gleichzeitig sieht der Landeselternrat aus seiner Sicht viele Kritikpunkte und grundsätzliche Mängel, sodass er dem vorgelegten Erlassentwurf nicht zustimmen kann. Der Landeselternrat hätte sich auch angesichts der immensen Vielfalt der komplexen Materialien der Unterlagen gewünscht, sich länger und tiefgehender damit befassen zu können, um so ein noch deutlicheres Feedback aus seiner Sicht geben zu können.

Die zahlreichen Handreichungen und Ausformulierungen (als Beispiel nur Erläuterungen zum Kernmodell/B2, Übersicht der Handlungsfelder mit Kernaufgaben und grundlegenden Anforderungen/B3, Kernaufgabenmodell mit Hinweisen und Beispielen/B4; = 60 Seiten) werden sowohl in der Bewertung im Rahmen dieses Anhörungsverfahrens als auch in der alltäglichen Nutzung einer Schule zu Schwierigkeiten und Akzeptanzproblemen führen. So richtet sich (Seite 3, Anlage B3) „das Kernaufgabenmodell auf die unterstützenden bzw. steuernden Prozesse auf der Handlungsebene der Schule“. Dies sind neben der Schulleitung vor allem alle Mitglieder im Schulvorstand, Konferenzen und Ausschüsse und Interessenvertretungen. Wie sollen diese Beteiligten die geforderten Prozesse umsetzen und wie wird das Kernaufgabenmodell eigentlich wirklich dieser Aufgabe gerecht? Kann die neue Schulinspektion und können und vor allem sollen die Begleitmaterialen auch das komplexe Beziehungsgeflecht auf pädagogischer und persönlicher Ebene abbilden? ‚Die‘ Schule besteht nicht nur aus Prozessen, deren Qualität eingeschätzt wird (B6).

Die Schulinspektion wird vom Landeselternrat als ein Instrument der Qualitätsentwicklung und - sicherung betrachtet, eine Spiegelung mit dem Ziel, dass Schulen ihre Arbeit, Unterricht und Erziehungsarbeit regelmäßig prüfen und verbessern. Dafür wird es nötig sein, Verbesserungsbedarfe explizit zu erfassen, darzustellen und Lösungsansätze bereit zu stellen, bei gleichzeitiger konkreter Verbindlichkeit. Hierfür ist ein wahrhaftiges Beratungs- und Unterstützungssystem unabdinglich. Dieses Gesamtkonzept, im Koalitionsvertrag gefordert, sieht der Landeselternrat noch nicht verwirklicht, vielmehr ist in der Praxis dieses momentan durch die Landesschulbehörde personell kaum zu leisten; ein echtes Anschlusshandeln ist kaum gegeben.

Weiterhin hält der Landeselternrat ein zukünftiges regelmäßiges Feedback, die Auseinandersetzung im Zusammenspiel von Orientierungsrahmen und Schulinspektion mit Landeselternrat, Landesschülerrat und Verbänden für erforderlich.

Zur Anlage 2:

Zu 1. Ziele und Aufgaben
Zu (1): Die Schulinspektion soll dem Ziel dienen, die Qualität der einzelnen Schule und des Schulsystems zu ermitteln. Der Landeselternrat stellt sich die Frage, wie eine allumfassende Qualitätsermittlung möglich sein soll, wenn sich die Inspektion nur auf einige sehr wenige Kernfelder fokussiert (siehe zu 2.). Erkenntnisse über einzelne Qualitätsbereiche führen nicht zu einer Grundaussage zu der Qualität der betrachteten Schule.

Zu 2. Grundsätzliche Regelungen
Zu (1) und (2): 5 Handlungsfeldern sind 21 Kernaufgaben zugeordnet, diese Kernaufgaben werden als von zentraler Bedeutung für die Entwicklung von Schulqualität bezeichnet. Die Handlungsfelder selber werden nicht benannt, bei der Beschreibung der Kernaufgaben auf die Anlagen verwiesen. Für die einzelne Schulinspektion werden aus den 21 Kernaufgaben dann nur 5-6 ausgewählt. Für den Landeselternrat ergibt sich hier ein eklatanter Widerspruch. Entweder sind diese Handlungsfelder und die ihnen zugeordneten Kernaufgaben für die Qualität der Schule wichtig, dann sind diese nicht auf 5 - 15 - oder 6 zu reduzieren. Oder sie sind nicht alle gleich wichtig, daran knüpft die Frage, welche sind am wichtigsten und müssten diese folglich nicht immer geprüft werden.

Der Landeselternrat lehnt die Reduzierung der Kernaufgaben ab. Für eine Schulinspektion mit Blick auf die Qualität von Schule müssen bestimmte Bereiche immer grundlegend betrachtet werden (zum Beispiel ließen sich die Kernaufgaben L1, L2, L5, S1, S2, S3, S4, B2, B4, B5, K2, E1 als absolutes, unabdingliches Minimum zur Identifizierung von Schulqualität benennen = 12 Kernaufgaben). Dabei hält es der Landeselternrat für kritisch, warum die Grundsätze und Zielsetzungen für die Auswahl durch das Kultusministerium festgelegt werden. Wieso gibt es überhaupt diese Auswahl, welches sind die Grundsätze und Zielsetzungen und werden diese offen und transparent kommuniziert?

Zu 3. Durchführung der Schulinspektion
3.1. (1) Der Landeselternrat begrüßt, dass die Schulinspektion regelmäßig durchgeführt werden soll. Es ist aber kein konkreter Zeitrahmen benannt. Die grundlegende, nicht im Erlass aufgeführte Aussage, die Schulinspektion sei in Zukunft alle 4 Jahre geplant, ist zu begrüßen, aber sie kann nicht, wie bisher, als gesichert angenommen werden. Eine Schulinspektion, die nicht wenigstens alle 4 Jahre (besser alle 3) die Qualitätsentwicklung einer Schule rückspiegelt, hält der Landeselternrat nicht für sinnvoll.

3.1. (3) Der Landeselternrat lehnt die alleinige Möglichkeit für den Schulleiter, eine Inspektion zu beantragen, ab. Er fordert vielmehr, dass der Schulvorstand, aufgrund seiner ihm vom Schulgesetz zugewiesenen Aufgaben, ebenfalls die Schulinspektion beantragen kann. Dabei bleibt im Erlass auch die Frage offen, bei wem dieser Antrag zu stellen ist und wie er genehmigt wird.

3.2. (2) vierter Spiegelstrich: Benannt werden hier „Gespräche bzw. Interviews … unter Einbeziehung von Eltern“. An dieser Stelle sollte die Gruppe der Eltern ausdrücklich als Schulelternrat benannt werden (und für die Schüler der Schülerrat), damit die Zuordnungen klar sind und ein eindeutiger Ansprechpartner über den jeweiligen Vorstand ersichtlich wird. Die Gestaltung des Gesprächs sollte vorab kommuniziert werden, der zeitliche Rahmen muss so geregelt sein, dass es den berufstätigen Eltern (und den Schülern außerhalb des regulären Unterrichts) möglich ist, diese Gespräche wahrzunehmen. Elterngespräche vor 17.00 Uhr sollten somit auf keinen Fall zulässig sein.

Zu 4. Ablauf der Schulinspektion
4.1. (1) Die Kriterien der Auswahl von Schulen ist nicht klar. Auch Schulen, die zum Beispiel in den Jahren 2006 – 2008, also vor 8 bis 6 Jahren die Schulinspektion zu Gast hatten, können womöglich weitere 4 Jahre auf die nächste Einschätzung ihrer Qualität warten.

4.3 (1) Der Landeselternrat hält hier eine klarere Formulierung für erforderlich. Es wird nicht klar, wo und in welcher Form die Ergebnisübergabe stattfindet, der Landeselternrat hält die Beteiligung mindestens der vorher benannten Gesprächsgruppen, aber vor allem des Schulvorstands für erforderlich. Eine Ergebnisübergabe ausschließlich Inspektoren – Schulleitung wäre kontraproduktiv.

4.3. (2) Ziel der Ergebnisübergabe soll die Verdeutlichung von „möglichen Wirkungszusammenhängen“ sein. Ziel der Ergebnisübergabe sollte aber vor allem ein deutliches Aufzeigen von positiven Qualitätsmerkmalen und von Verbesserungsbedarfen sein, soweit dies bei der Ergebnisübergabe bereits klar möglich ist.

4.3. (4) Eine eigene Rückmeldemöglichkeit der schulischen Gruppen wäre sinnvoll.

Der Landeselternrat schlägt einen neuen Absatz (6) vor: Die Berichte der Schulen werden mit Ergebnissen und Analysen auf der Homepage des NLQ veröffentlicht.
Dieses Vorgehen würde die Schulinspektion und die Qualitätsentwicklung der einzelnen Schulen transparenter machen.

Zu 5. Anschlusshandeln Aus Sicht des Landeselternrates wird beim „Anschlusshandeln“ viel zu wenig Verbindlichkeit und Konsequenz umgesetzt.

5. (1) Der Landeselternrat bemängelt, dass die Ergebnisse der Schulinspektion den Schulen zur Identifizierung von Entwicklungszielen lediglich „dienen“, sie müssen sie vielmehr „bestimmen“.

5. (2) Der Landeselternrat sieht die bisherigen Beratungs- und Unterstützungssysteme kritisch, hier muss dringend nachgesteuert werden, auch konzeptionell.

5. (3) Nach der erfolgten Schulinspektion sollte eine Zielvereinbarung mit der Landesschulbehörde folgen. Wenn die Weiterentwicklung von Schulqualität der Einzelschule und des Gesamtsystems, wie im Erlass beschrieben, das wesentliche Ziel der Niedersächsischen Schulinspektion ist, so muss aus dieser konkretes Anschlusshandeln erfolgen, ein „können“ ist dem Landeselternrat zu wenig.

Daraus folgend ergibt sich für den Landeselternrat auch die Notwendigkeit, weiterhin, wie bisher, die Schulen besonders zu beachten, deren Qualitätsentwicklung als problematisch identifiziert wird. Es sollte daher ein neuer Absatz (4) ergänzt werden, der bei gravierenden Verbesserungsbedarfen eine erneute Schulinspektion nach einem Jahr vorsieht.


Schulinspektionen in Niedersachsen
» zum Erlassentwurf



 


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